07 Baublog: Baufortschritt Kirschbaummühle April 2026

Veröffentlicht am: 05.05.2026

Der April war geprägt von schnellen und deutlich sichtbaren Fortschritten im Zuge der Entkernungs- und Rückbauarbeiten. Insbesondere der Rückbau des Silos konnte nahezu vollständig abgeschlossen werden. Der ehemalige Siloturm präsentiert sich nun als vollständig entkerntes, viergeschossiges Bauwerk ohne Zwischendecken und ist damit in seiner Struktur offen einsehbar. Die bestehende Außenhülle wird aktuell durch umfangreiche Baubehelfe stabilisiert, die in den vergangenen Monaten installiert wurden. Ergänzend dazu wurde ein Wetterschutzdach montiert, das aus vier Einzelelementen besteht. Diese können flexibel per Kran auf- und abgehoben werden, um einen reibungslosen Materialtransport auf der Baustelle zu gewährleisten. Auch im Mühlenteil wurden die Entkernungsarbeiten konsequent vorangetrieben. Hier konnten die obersten zweieinhalb Geschosse zurückgebaut werden. Parallel dazu wurden zusätzliche Behelfskonstruktionen eingebaut, die sowohl der Stabilisierung des Bestandsgebäudes als auch der Aufnahme des Wetterschutzdaches dienen.

Neben dem Rückbau der Deckenbalken und Holzkonstruktionen lag ein weiterer Schwerpunkt im April auf dem Abbruch der Bodenplatten im Bereich des Silos, der Mühle sowie des Zwischengebäudes. Hierbei wurden die oberen Betonschichten mithilfe spezialisierter Abbruchgeräte in handhabbare Stücke zerteilt und anschließend maschinell verladen und abtransportiert.

Im Zuge der vorbereitenden Maßnahmen für die spätere Nachgründung ist ein Rückbau der Bodenplatten bis zu etwa 70 Zentimeter unter deren Unterkante erforderlich. Besonders im Silobereich sind diese Arbeiten bereits weit fortgeschritten und gut sichtbar.

Eine unerwartete Entdeckung stellte ein alter genieteter Metalltank dar, der im Zuge der Rückbauarbeiten freigelegt wurde. Dieser stammt vermutlich aus den 1930er Jahren und wurde einst für die Mühlenanlage genutzt, im Laufe des 20. Jahrhunderts jedoch verfüllt und überbaut. Da der Tank in den vorliegenden Bestandsplänen nicht verzeichnet war, wurde er erst im Zuge der aktuellen Arbeiten sichtbar. Der Rückbau erfolgt parallel zu den laufenden Maßnahmen und führt zu keiner Verzögerung im Bauablauf.

Die Fortschritte im April wurden erneut durch Drohnenflüge dokumentiert, die insbesondere die markante Veränderung der Gebäudesilhouette veranschaulichen. In den oberen Bereichen wirkt das Gebäude derzeit wie eine offene Struktur, vergleichbar mit einer „hohlen Zahnkrone“, und ermöglicht – solange das Wetterschutzdach noch nicht vollständig geschlossen ist – Einblicke in das Innere.

Mit dem absehbaren Abschluss des Gewerks Entkernung im Mai rückt bereits das nächste wichtige Baukapitel in den Fokus: die Bohrpfahlgründung zur statischen Sicherung und Weiterentwicklung des Gebäudes.

Neben den baulichen Fortschritten konnten im April auch zwei nachhaltige Maßnahmen im Rahmen des Projekts erfolgreich umgesetzt werden. So werden sämtliche ausgebauten Hölzer der Geschossdecken sowie Balken auf einer separaten Baustelleneinrichtungsfläche zwischengelagert. Das Material wurde zu transportfähigen Paketen gebündelt, mit Metallbändern gesichert und auf einer eingezäunten Fläche in unmittelbarer Nähe zur Baustelle gelagert. Ziel ist es, diese Hölzer im weiteren Bauverlauf durch das Folgegewerk des Zimmerers und Holzbauers – sofern technisch und wirtschaftlich sinnvoll – wiederzuverwenden.

Darüber hinaus konnten rund 50 der ausgebauten, bauzeitlichen Einfachfenster einer neuen Nutzung zugeführt werden. In Kooperation mit der Hochschule Coburg wurden die Fenster nicht entsorgt, sondern dem Forschungsprojekt „FENREST“ zur Verfügung gestellt. Das Projekt wird über DATIpilot des Bundesforschungsministeriums gefördert. Dort dienen sie als wertvolle Praxisobjekte zur Entwicklung innovativer Lösungen für den Umgang mit historischen Fenstern im Bestand. Die große Anzahl an Originalbauteilen aus einem Projekt stellt dabei eine besondere Chance dar, praxisnahe Erkenntnisse für zukünftige Sanierungsmaßnahmen zu gewinnen.

Einblicke in die Baustelle – einen Blick hinter die Bauzäune – bietet der deutschlandweite Tag der Städtebauförderung am 09. Mai 2026. Wie auch im letzten Jahr finden an der Kirschbaummühle auch wieder Führungen für die Öffentlichkeit statt. Näheres zum Programm hier auf der Seite der Stadt Lichtenfels.